WhatsApp gibt Daten an Facebook weiter – was Sie darüber wissen sollten
WhatsApp gibt Daten an Facebook weiter – was Sie darüber wissen sollten

Eine Überraschung ist es nicht wirklich: knapp zwei Jahre nach der Milliarden-Übernahme durch Facebook kündigte WhatsApp gestern an, nun Daten an den Mutterkonzern weitergeben zu wollen. Kaum verwunderlich, denn rgendwie müssen ja die Milliarden wieder reingespielt werden.

Nichts ist dafür naheliegender, als die Nutzer und Nutzungsdaten vom so populären WhatsApp Messenger ab sofort auch für das datenbasierte Geschäftsmodell mit Werbung von Facebook zu nutzen. Es geht insbesondere um die Telefonnummern und weitere (Meta-)Daten, wie z.B. Nutzungshäufigkeit und -zeitpunkt. Dadurch soll es laut Angaben des Unternehmens möglich werden, relevante Werbung noch zielgerichteter auszuspielen und die Suche von bekannten Freunden zu optimieren.

WhatsApp bekräftigte zwar explizit, dass im Moment keine weiteren Daten, wie z.B. Gesprächsinhalte und Profildaten, an Facebook weitergegeben werden und dass seit der neuen Ende-zu-Ende Verschlüsselung Gespräche nicht einmal für WhatsApp selbst einsehbar seien, es bleibt aber abzuwarten, was tatsächlich passieren wird. Nutzer könnten der Verwendung Ihrer Daten für personalisierte Facebook-Werbung und für das Matching mit anderen Nutzern widersprechen, die Telefonnummer werde jedoch in jedem Fall weitergeben – Unternehmensangaben zu Folge aus Sicherheitsgründen und zur Optimierung der Infrastruktur.

Spannend bleibt, welche sonstigen Schritte folgen werden, denn noch Anfang des Jahres verkündete der CEO, Jan Koum, dass es durchaus interessant sein könnte, den Dienst auch Richtung Unternehmen zu öffnen, um beispielsweise Informationen zu Bestellungen, Flügen und Zahlungen in Form von Push-Benachrichtigungen über WhatsApp abzuwickeln.

Was bedeutet diese Veränderung konkret für Unternehmen?

Als werbetreibendes Unternehmen können Sie sich über noch bessere Daten für Ihr Facebook-Targeting freuen. Neben der Tatsache, dass Sie Ihre Zielgruppen direkt ansprechen können, haben Sie in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach die Möglichkeit, Facebook-Nutzer mit individuellen Angeboten zu locken – beispielsweise durch die gezielte Ansprache von Interessenten/Kunden der Konkurrenz. Die Kehrseite ist jedoch, dass Ihre Wettbewerber das Gleiche tun werden.

Es ist davon auszugehen, dass wie bereits in der Vergangenheit neue Werbeformate entstehen werden, die nicht nur die Daten aus Facebook und WhatsApp, sondern auch aus anderen verbundenen Apps, wie den Facebook Messenger und Instagram einbeziehen werden. Durch die Telefonnummern sind Nutzer eindeutig identifizierbar, fehlende Daten von Facebook-Profilen können dadurch weiter vervollständigt und ein noch kompletteres Nutzerprofil erstellt werden. Werbung auf den von Facebook kontrollierten Plattformen sollte dadurch noch präziser werden.

Die Gefahren:

Es muss Ihnen in jedem Fall bewusst sein, dass Facebook in Zukunft dadurch noch mehr Informationen über Ihre Kundenbeziehungen bekommt und sich Ihre Abhängigkeit noch weiter verstärken wird. Der Konzern weiss, mit wem sie zu tun haben, wer diese Personen konkret sind, wie das Nutzerverhalten und die (Kauf-)Historie aussieht, etc…. So sehr diese Meldung viele Marketingverantwortliche zum Schmunzeln bringen sollte, so bedenklich sollten die News Entscheider, Strategen, Juristen und Sicherheits-/Datenschutzverantwortliche in Unternehmen stimmen.

Abzuwarten bleibt zudem, wie die Nutzer, auf die neuen Veränderungen reagieren werden. Der Aufschrei gestern war gross, denn bisher zeichnete sich die WhatsApp-Experience vorallem dadurch aus, dass Nutzer unter sich bleiben konnten und keine Vermischung zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation stattgefunden hat. Bisher tummelten sich dort lediglich erste mutige Unternehmen, die nicht-offizielle Tools dafür nutzten, um über WhatsApp News zu verteilen und mit Usern zu interagieren. Die Herausforderung wird bleiben, den Messenger Spam-frei zu halten, was äußerst schwierig darzustlelen sein wird, wenn mal die Erlaubnis für Marketingmassnahmen gegeben wurde.

Abschliessend muss man feststellen: Ganz schön viele wertvolle, wichtige und gebündelte Daten in externen Händen!

Fazit: So toll diese Veränderung whatsaus Sicht von Werbetreibenden klingen mag, so groß sind die Risiken im Zusammenhang mit Datenschutz und der externen Weitergabe von sensiblen und internen Informationen, wie z.B. Ihren Kundenbeziehungen. Unternehmen sollten sich gut überlegen, welches Ziel Sie verfolgen und ob es wirklich notwendig ist, sich in eine noch stärkere Abhängigkeit von Daten-Giganten wie Facebook (und auch Google) zu bringen. In vielen Fällen, z.B. in Banken und Versicherungen, wird es sicherlich notwendig sein, über Alternativen nachzudenken, denn allein aufgrund von Gesetzen, Branchenregeln und -auflagen,  verbietet sich die Nutzung von Diensten, wie den genannten.
Gleichzeitig gilt es zu verstehen, dass sich Kommunikation verändert hat und Messenger-basierte Interaktionen durchaus von Seiten der Kunden gewünscht sind. Zu bequem und vorteilhaft ist die neue Art zu kommunizieren. Aber warum nicht eine derartige User Experience auf eigenen Medien/ Apps ermöglichen und nicht unnötigerweise die so zentralen Kundeninteraktionen nach Aussen verlagern? Über die Chancen und Vorteile von In-App Messaging als valide Alternative hatten wir bereits berichtet.

 

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