Unser Dreiteiler: Was können die Anderen? – Peach, Threema & Viber
Unser Dreiteiler: Was können die Anderen? – Peach, Threema & Viber

smoope hat sich für euch umgesehen: Welche Messenger gibt es aktuell neben den „Big Playern“ wie WhatsApp oder dem Facebook Messenger und welche Funktionen bringen sie mit? Außerdem – ihr ahnt es schon – haben wir uns auch über deren Umgang mit sensitiven Daten informiert. Let’s have a look!

Teil 1: Peach, Threema & Viber

Peach – „der aufregende Neue“

Seit Anfang des Jahres ist er auf dem Markt – Peach, der neue Messenger. Von Beginn an heiß diskutiert und hinterfragt. Doch was macht Peach so besonders? Peach selber erklärt seine Vision folgendermaßen: „Peach is a fun, simple way to keep up with friends and be yourself“. Das klingt ja erst einmal ziemlich vielversprechend – ein klassischer Messenger eben. Doch Peach funktioniert nicht nur wie ein Messenger, sondern auch als Social Network: Jeder Nutzer hat eine eigene Pinnwand „Wall“, auf der seine Beiträge erscheinen. Andere Nutzer können diese Beiträge liken oder kommentieren. Auf der eigenen Startseite kann der Nutzer umgekehrt sehen, was Freunde posten – ähnlich wie bei Facebook.

Natürlich spielt auch der gegenseitige Nachrichtenaustausch eine Rolle: Im Chat können Nutzer miteinander kommunizieren, indem sie Nachrichten, Emojis, Fotos und kurze Videos verschicken. Das besondere Feature bei Peach: die „Magic Words“. Gemeint sind Kurzbefehle, die bei Eingabe im Chat automatisch eine bestimmte Funktion auslösen. Insgesamt reagiert Peach auf 21 Magic Words. Mit „draw“ haben die Nutzer beispielsweise die Möglichkeit, anstelle der Tastatur eine Nachricht mit dem Finger zu zeichnen. Mit dem Magic Word „weather“ teilt man anderen Nutzern das aktuelle Wetter am eigenen Standort mit. Mit „song“ zeigt man seinem Chatpartner, welches Lied man sich gerade anhört. Mit einem Klick auf den Song landet dieser dann direkt bei Spotify oder im iTunes-Store. Ob das wirklich nur der Info dient – hier könnte auch ein potentielles Geschäftsmodell dahinterstecken. Noch ist Peach kostenlos und werbefrei – das passende Geschäftsmodell muss wohl noch gefunden werden.

Aber ist Peach nun ein Messenger oder ein Social Network? Irgendwie ist es eine gute Mischung aus beidem. Allerdings hat der neue Messenger noch einige Hürden zu überwinden. Die Android Version der App wurde erst kürzlich, einen Monat nach der iOS Version, zur Verfügung gestellt. Dadurch war die Zielgruppe zunächst erheblich reduziert. Außerdem ist die App bisher nur auf Englisch verfügbar, was von vielen Nutzern in Deutschland bemängelt wird. Hinzu kommt das Thema Datenschutz: Peach benötigt Zugriff auf etliche sensible Daten. Insbesondere, wenn man im Telefonbuch Freunde und Bekannte finden möchte. Dann wird entweder ein Nutzername oder die Telefonnummer benötigt. Von Peach gibt es derzeit noch keine Angaben dazu, was genau mit den persönlichen Daten passiert: Informationen darüber, wo die Daten gespeichert und wie sie verarbeitet werden liegen nicht vor.

Fazit: Ein neuer Messenger mit interessanten Funktionen – Datensicherheit: Fehlanzeige!

Threema – „der sichere Außenseiter“

„Threema“ steht für „End-to-End Encrypted Messaging Application“. Der Name des Messengers verweist damit auf seinen Fokus: Sicherheit & Schutz der Privatsphäre der Nutzer mit Hilfe von verschlüsselter und anonymer Kommunikation.

Zunächst scheint sich Threema in seinen Funktionen nicht sonderlich von einem klassischen Messenger wie WhatsApp zu unterscheiden: Es geht hauptsächlich um den Versand von Nachrichten, Fotos und Videos über einen Chat. Und doch lässt sich bereits beim Download der Messaging-App feststellen: Hier ist etwas anders. Der Messenger funktioniert nach dem Prinzip der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Beim Einrichten der App generiert der Nutzer durch zufällige Wischgesten auf dem Smartphone ein Schlüsselpaar, das für die Ver- und Entschlüsselung der Kommunikation mit anderen Nutzern benötigt wird. Ergebnis: Außer dem Absender und Empfänger kann niemand die verschickte Nachricht lesen, auch nicht der Anbieter der App. Die Registrierung der Nutzer erfolgt über die Mailadresse oder die Telefonnummer. Anschließend durchsucht Threema die Kontaktdatenbank auf dem Smartphone nach anderen Threema-Nutzern – ähnliches Prinzip wie bei WhatsApp.

Eine besondere Funktion von Threema: Zusätzlich zum extrem sicheren Chat wird der Sicherheitsstatus eines Kontaktes angezeigt. Threema unterscheidet hier zwischen drei unterschiedlichen Sicherheitsstufen. Die höchste Stufe erreicht ein Kontakt erst dann, wenn beide Nutzer gegenseitig einen QR-Code in der App gescannt haben. Für das gegenseitige Scannen des QR-Codes müssen sich die Nutzer aber real treffen – ziemlich aufwändig das Ganze. Für diesen hohen Sicherheitsstandard innerhalb des Messengers lässt Threema seine Nutzer aber bezahlen: 1,60 € kostet Threema einmalig für Android-Nutzer, iOS-Nutzer bezahlen mit 1,79 € etwas mehr.

Threema ist ein extrem sicherer Messenger, dessen Server sich ausschließlich in der Schweiz befinden. Er unterliegt daher den Datenschutzbestimmungen der Schweiz. Insbesondere als WhatsApp Anfang 2014 von Facebook gekauft wurde, sahen sich viele Nutzer nach einer sicheren Alternative um. Allerdings ist Threema der Durchbruch in Deutschland noch nicht wirklich gelungen: Mit 3,7 Millionen Nutzern liegt er weit hinter WhatsApp mit 30 Millionen Nutzern. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die hohen Sicherheitsstandards von Threema nicht wirklich nutzerfreundlich sind. Die Kommunikation wird verlangsamt, ist komplexer und aufwändiger.

Fazit: Eine sichere Alternative zu anderen Messengern – allerdings ist die Kommunikation durch den hohen Sicherheitsstandard sehr aufwändig

Viber – „der rätselhafte Datenschlucker“

Viber bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, weltweit kostenlos über das Internet zu telefonieren und Nachrichten zu verschicken – eine VoIP- und Messaging-App in einem. Für die Nutzung wird keine Registrierung oder ein Account benötigt. Zugang erhält man über seine Handynummer als Nutzer-ID. Nutzer identifizieren sich über einen Bestätigungscode. Ist die Anmeldung erfolgreich abgeschlossen, durchsucht Viber automatisch das komplette Adressbuch auf dem Smartphone. Ziel: Persönliche Kontakte, die Viber ebenfalls nutzen, identifizieren. Denn das Telefonieren und Verschicken von Nachrichten ist nur dann kostenlos, wenn beide Nutzer Viber für ihre Kommunikation einsetzen. Die App macht über Push-Nachrichten auf eingehende Anrufe aufmerksam. Zudem ist Viber auch als Desktop-Version am PC verfügbar. Da es sich um eine Erweiterung der mobilen Version handelt, muss Viber aber bereits auf dem Smartphone installiert sein. Nachdem sich der Nutzer mit seiner Handynummer am PC eingeloggt hat, stehen ihm die gleichen Funktionen wie auf dem Smartphone zur Verfügung: Telefonieren sowie Nachrichten, Fotos und Sticker an Kontakte verschicken.

Der Download von Viber ist für Android und iOS kostenlos. Allerdings muss der Nutzer In-App-Käufe tätigen: Spätestens dann, wenn er Kontakte anrufen möchte, die Viber nicht nutzen. Dafür werden kostenpflichtige „ViberOut Credits“ benötigt. Außerdem bietet Viber Stickerpakete zum Verkauf an, die der Nutzer optional herunterladen kann.

Auf den ersten Blick scheint Viber ein nützlicher Messenger kombiniert mit VoIP zu sein. Allerdings wird für eine einwandfreie Nutzung eine sehr gute Internetverbindung z.B. über WLAN benötigt. Bei einer weniger stabilen Verbindung z.B. EDGE ist die Gesprächsqualität eher schlecht – darüber kann man vielleicht gerade noch hinwegsehen. Ein Nachteil vor dem man bei Viber absolut nicht die Augen verschließen kann: Wieder einmal der Datenschutz. Zwar wird das automatische Durchsuchen von Kontakten oft als Vorteil gegenüber Skype bezeichnet, da der Nutzer nicht den Aufwand hat, Kontakte einzeln hinzuzufügen. ABER: Bei der automatischen Durchsuchung speichert Viber alle Nummern aus dem Adressbuch auf seinen eigenen Servern – auch die Nummern von Tante, Onkel, Oma und Opa und sogar Geschäftskontakten, die kein Viber installiert haben. So sammelt Viber massenhaft Daten von Personen, die gar nichts davon wissen – geschweige denn ihr Einverständnis gegeben haben. Bei 300 Millionen Nutzern (eigene Angabe von Viber) kommt da eine ganz schön umfangreiche Sammlung an sensitiven Daten zusammen.

Wenn es um die eigenen Daten geht, ist Viber dann doch etwas zurückhaltender: 2014 wurde Viber für 900 Millionen Dollar vom japanischen Online-Händler Rakuten übernommen. Ansonsten ist das Unternehmen mit 120 Angestellten sehr undurchsichtig. Firmensitze befinden sich sowohl in Israel, als auch in Zypern und Weißrussland: Kontaktdaten auf der eigenen Website – Fehlanzeige.

Fazit: Viber mag eine mögliche und vielleicht auch unkompliziertere Alternative zu Skype sein – allerdings fällt es beim Thema Datenschutz komplett durch!

Abschließend lässt sich festhalten, dass sowohl Peach als auch Viber für den Einsatz im Business nicht geeignet sind. Bei Peach ist bisher vollkommen unklar, was mit den gesammelten Daten passiert. Der Messenger enthält noch kein konkretes Angebot für den Einsatz in Unternehmen. Viber bietet bisher den Service “Viber for Business”. Dieser umfasst zum einen Werbeflächen für Unternehmen in Form von individualisierten Stickerpaketen und zum anderen die Integration von Viber als Messaging-Plattform in das Unternehmen für die B2C Kommunikation. Über Schnittstellen besteht hier die Möglichkeit, Werbung via Chat an Kunden zu schicken – ein völlig falscher Ansatz, wie wir finden. Außerdem lässt der Umgang von Viber mit sensitiven Daten zu wünschen übrig. Threema bietet mit “Threema Gateway” einen Service für sichere, interne Kommunikation im Unternehmen. Um Nachrichten zu verschicken, müssen Unternehmen und Organisationen sogenannte Credits erwerben. Die Preise variieren je nach Paket zwischen 0,017 und 0,045 Euro pro verschickter Nachricht – bei größeren Unternehmen in denen eine umfangreiche Kommunikation stattfindet, kann dieser Service aber schnell teuer werden.

Quellen:
http://t3n.de/news/vine-gruender-messaging-app-peach-dom-hofmann-669957/
https://threema.ch/de
http://www.berliner-zeitung.de/digital/datenschutz-vier-alternativen-zu-whatsapp,10808718,33887532.html
http://www.zeit.de/2012/09/Telefonsoftware-Viber
http://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Software-Threema-Gateway-Schnittstelle-Unternehmen-11518882.html

3 Antworten auf „Unser Dreiteiler: Was können die Anderen? – Peach, Threema & Viber“

    Warum sollte die Kommunikation bei Threema „sehr aufwändig“ sein? Im Gebrauch gibt’s doch keinen Unterschied zu z.B. WhatsApp, oder übersehe ich etwas?

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    Danke für den Kommentar. Vorallem bei der Registrierung und dem Anlegen des Profils ist Threema noch etwas aufwändiger als bei anderen Messengern. Wenn man die App mal eingerichtet hat, ist es allerdings ähnlich wie bei anderen Messengern.

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